Gründächer: Ein Stück Natur auf dem Haus

11.07.17

Bepflanzte Flachdächer sind mehr als grüne Oasen. Im Sommer funktionieren sie als Klimaanlagen, im Winter als natürliche Wärmedämmung. Moose, Kräuter, Gräser oder robuste Sukkulenten fangen die Hitze ab und verhindern so, dass sich der Dachraum überhitzt. Pflanzen auf dem Dach tragen also zum Energiesparen bei, weshalb sie als Teil der energetischen Sanierung staatlich gefördert und bezuschusst werden.
Dachbegrünung – ein Thema für Familien.
Somit sind grüne Dächer nicht mehr nur ein Thema für öffentliche und kommerziell genutzte Gebäude, sondern auch für Familien. Fördermöglichkeiten, aber auch Ideen zur Ausgestaltung der Dach- und Fassadenbegrünung stand Ende Juni 2017 im Mittelpunkt des Weltkongresses Gebäudegrün in Berlin, erläutert Gunter Mann, Präsident der Fachvereinigung Bauwerksbegrünung mit Sitz in Saarbrücken, dem WDR. Über 750 Teilnehmer und etwa 80 Referenten waren dabei.

Initiative der Ruhrgebietsstädte
Gleichzeitig gibt es auch in Nordrhein-Westfalen eine Initiative zur Förderung von Dachbegrünung in mehreren Ruhrgebietsstädten. Ihr Ziel: Mehr Grün auf den Dächern der Großstädte. Mit besonders gutem Beispiel will die Stadt Essen, Grüne Hauptstadt Europas 2017, vorangehen. In der Innenstadt sollen grüne Flachdächer bei Neu- oder Umbauten künftig sogar rechtsverbindlich vorgeschrieben werden. “Die Dachbegrünung trägt zum Ausgleich von Klimaextremen bei und filtert Luftschadstoffe, was besonders in unseren Innenstädten wichtig ist”, erläutert Essens Stadtsprecherin Hannah Hettinger: “Sie hält zudem den Abfluss von Regenwasser zurück und kann dadurch die Folgen von Starkregen abmildern.”

Vorteile für Städte:
+ Vorsorge vor Überflutungen: Begrünte Dächer mindern die Abflüsse in die Kanalisation und funktionieren damit wie ein Regenrückhaltebecken.
+ Verbesserung des Stadtklimas: Durch das Wasser, das die Pflanzen speichern, ergeben sich Verdunstungseffekte, die wirksam gegen die Überhitzung der Städte (Urban Heat Island Effect) sind.
+ Schaffung ökologischer Ausgleichsflächen: Begrünte Flachdächer geben Pflanzen und Tieren, etwa Insekten oder Vögeln, neue Lebensräume.
+ Schaffung neuer Gartenflächen: Dachflächen können auch komplett als Gärten, Spielflächen oder sogar als Nutzflächen (Urban Farming) genutzt werden.

Frühere Befürchtungen der Bauherren
“In der Vergangenheit wurden die großen Potenziale noch nicht ausreichend erkannt”, erklärt Hettinger. Bauherren befürchteten Baumängel, Undichtigkeiten, einwachsende Wurzeln oder zu hohe Anschaffungskosten, sagt Hettinger. Dabei seien die statischen Anforderungen bei einem grünen Flachdach nicht höher als bei einem herkömmlichen Kiesdach.

Dachbegrünung: “Pflegearm, nicht pflegelos”
Gunter Mann von der Fachvereinigung Bauwerksbegrünung empfiehlt begrünte Flachdächer etwa ein bis zwei Mal im Jahr zu pflegen. Die einfachen Ausführungen dieser grünen Dächer mit trockenheitsverträglichen Pflanzen werden als Extensivbegrünungen bezeichnet. “Diese sind pflegearm, aber nicht pflegelos”, erklärt Mann dem WDR. Sein Rat: Nach dem Dachablauf zu schauen, die Pflanzen etwas zu düngen und unerwünschte Beikräuter zu entfernen.

Wie oft begrünte Dächer gepflegt werden müssen
“Intensivbegrünungen hingegen werden wie ein ebenerdiger Garten behandelt und dementsprechend öfters gepflegt”, ergänzt der Dachgrün-Experte. Wer also ein grünes Paradies auf seinem Haus haben möchte, muss schon ein bisschen Gartenarbeit investieren.

Quelle: WDR, Andreas Sträter

 


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